"Ein direkter Stadtbahn-Anschluss wäre wichtig"

Meravis-Chef Matthias Herter spricht im Interview über das Bauvorhaben Wasserstadt

 

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AUGUST 2018

Meravis baut zusammen mit der WLEG im ersten Bauabschnitt der Wasserstadt. Matthias Herter, Chef der Immobiliengruppe, spricht im Interview über den Stadtbahnanschluss, die Preise und die Sorgen der Limmeraner.

Herr Herter, was halten Sie von der Diskussion um einen Stadtbahnanschluss? Muss die Wasserstadt besser an öffentliche Verkehrsmittel angeschlossen werden? 

Auf jeden Fall. Ein direkter Stadtbahnanschluss wäre wichtig für Limmer. Ein wesentliches Entscheidungskriterium für Interessenten, in die Wasserstadt zu ziehen, ist, dass die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel optimal gegeben ist. Ich verstehe deshalb nicht, warum es zu diesem Thema keine Entscheidung und einen Streit gibt. Wir waren immer davon ausgegangen, das dieser für Limmer so wichtiger Anschluss kommt.

Auch die Preise sind immer wieder Thema. Die städtische Wohnungsgesellschaft Hanova ist als Investor in der Wasserstadt abgesprungen, weil die Grundstücke zu teuer geworden sind. Wie schafft Meravis das finanziell? 

Ich kenne die genauen Beweggründe für den Ausstieg von Hanova nicht und kann deshalb dazu nicht viel sagen. Wir von Meravis haben von vornherein an das Projekt Wasserstadt geglaubt. Wir bauen dort gemeinsam mit der Wasserstadt Limmer Projektentwicklungsgesellschaft (WLEG) und glauben weiterhin an den wirtschaftlichen Erfolg und den Standort. Für uns passt die Wasserstadt rein.

Matthias Herter steht im ersten Bauabschnitt auf den Baufeldern, die Meravis zusammen mit der WLEG bebaut. Foto: Clemens Heidrich

Viele Limmeraner haben trotzdem die Sorge, dass die Wasserstadt ein Wohngebiet für Reiche wird und dass sich dadurch der Charakter des Stadtteils verändert. Können Sie die Sorgen verstehen? 

Ich kann die Sorgen der Limmeraner alle verstehen – aber man kann sie ihnen auch nehmen, zum Beispiel mit einem Bürgerdialog, wie es ihn gegeben hat. Dabei muss man deutlich machen, dass der Bau eines solchen Wohngebiets eine Weiterentwicklung für Limmer bedeutet und der Stadtteil aufgewertet wird. Der Spruch von früher „Nichts ist schlimmer als Limmer“ gilt schon lange nicht mehr. Vor Baubeginn ist es wichtig, die Nachbarn mit einzubeziehen und sich konstruktiv auseinanderzusetzen, denn am Ende wird das Projekt dadurch besser. Für die soziale Durchmischung sorgt der Quotenanteil von geförderten Wohnungen, die auch in Limmer im Neubau entstehen. Und zu der Sorge, dass in Limmer viele bestehende Sozialwohnungen aus der Bindung verloren gehen, kann man auch deutlich sagen: Diese Wohnungen befinden sich in den Händen von Vermietern mit Werten wie Genossenschaften, der städtischen Gesellschaft und anderen ehemals gemeinnützigen Unternehmen. Die Mietentwicklung bleibt in diesen Beständen auf niedrigem Niveau und sehr moderat. Der Blick auf den Mietenspiegel beweist das.

Wie teuer werden denn die Mieten in Ihren Häusern? 

Preise zu Neubau-Mieten zu nennen wäre im Moment wie ein Blick in die Glaskugel. Ich kann es einfach nicht sagen. Das hängt von vielen Faktoren, wie zum Beispiel den Preisen der Handwerksfirmen, ab. Zudem kommt es darauf an, wann die Häuser fertig sind.

Die Meravis Bauträger GmbH baut auf insgesamt vier Baufeldern (1,2,3 und 8) im ersten Bauabschnitt gemeinsam mit der Wasserstadt Limmer Projektentwicklungsgesellschaft (WLEG). Dazu haben beide einen Partnerschaftsvertrag unterzeichnet und die Wasserstadt Limmer Projektgesellschaft (WSL Projektgesellschaft) gegründet, die jeweils zu 50 Prozent aus WLEG und Meravis besteht. Im Nordwesteck des ersten Bauabschnitts entstehen in exponierter Lage auf knapp 7900 Quadratmetern insgesamt 117 Wohnungen und eine Gewerbeeinheit.

„Ich kann die Sorgen der Limmeraner alle verstehen – aber man kann sie ihnen auch nehmen, zum Beispiel mit einem Bürgerdialog, wie es ihn gegeben hat.“

So sollen die Häuser im Nordwesteck des ersten Bauabschnitts aussehen. Dort baut Meravis zusammen mit der WLEG in den Baufeldern 1, 2,3 und 8. Foto: Wettbewerbsentwurf Schenk+Waiblinger Architekten

Haben Sie ihre Bauanträge schon eingereicht? 

Wir haben den Bauantrag für die Baufelder 1, 2 und 3 Ende Juli bei der Stadt eingereicht. Die Abgabe für das Baufeld 8 ist für September geplant. Ich rechne damit, dass die Anträge zügig bearbeitet werden. Wenn wir von drei Monaten Bearbeitungszeit ausgehen, könnten wir Anfang November mit dem Bau in den ersten drei Baufeldern beginnen. Doch dann macht es wegen der dann herrschenden Wetterbedingungen nicht wirklich Sinn anzufangen. Deshalb tun wir gut daran, mit dem Hochbau erst im nächsten Frühjahr zu beginnen. Ein gute Bauanfangszeit ist März. Dann muss man mit 18 bis 24 Monaten Bauzeit rechnen.

Für welche Zielgruppe bauen Sie Wohnungen? 

Für alle – sowohl für Singles als auch für Familien ist etwas Passendes dabei. Es wird Eigentums- und Mietwohnungen geben. Hinzu kommen 23 geförderte Wohnungen, die mit 5,60 bis 7 Euro pro Quadratmeter im derzeit gültigen Bereich der Förderung liegen werden.

In der Vergangenheit wurde mehrfach über die Gestaltungsrichtlinien diskutiert. Haben Sie diese bei den Planungen behindert? 

In Hannover ist es schon seit längerer Zeit so, dass für Baupläne bestimmte Richtlinien, Gestaltungssatzungen oder Anforderungen formuliert werden – und das ist auch wichtig, um die städtebauliche Qualität langfristig und nachhaltig zu sichern. Ohne solche Vorschriften gäbe es „Kraut und Rüben“-Siedlungen. Dennoch, das Bauen wird dadurch deutlich teurer. Und es ist ganz klar, dass die Abstimmungsprozesse mit der Stadtverwaltung vor dem Baubeginn sehr anstrengend werden. Da kann man sicherlich von Genervtsein sprechen. Aber man kann auch um einen guten Weg ringen – und das haben wir getan. Am Ende gibt es ein harmonisches Gesamtbild der Siedlungen, und die Leute fühlen sich dort wohler. Es bringt etwas. Wer Wohnungsneubau im großen Stil wie Meravis betreibt, der muss sich seiner städtebaulichen Verantwortung bewusst sein. Das sind wir den nachfolgenden Generationen schuldig.

Seit wann befassen Sie sich mit der Wasserstadt? 

Die ersten Gespräche zur Wasserstadt hatte ich persönlich bereits 2005. Wir begleiten dieses Projekt schon sehr lange. Intensiver geworden ist es, nachdem die Stadt den Bebauungsplan noch mal neu aufgestellt hat und die Bürgerbeteiligung lief. Wir finden den städtebaulichen Entwurf immer noch richtig gut und glauben an das Projekt. Und ich denke: Wenn wir anfangen zu bauen, dann geht es auch zügig mit den anderen Grundstücken voran. Wir können uns auch vorstellen, in anderen Baufeldern im ersten Bauabschnitt zu bauen. Meravis hat die Wasserstadt im Fokus.

Meravis baut auch am Kronsberg. Wie unterscheiden sich die Bauvorhaben am Kronsberg und in der Wasserstadt? 

Da ist zum einen ganz klar der Lageunterschied und die vorherige Nutzung. Der Kronsberg wurde früher als landwirtschaftliche Fläche genutzt, das Wasserstadt-Gelände war früher ein Fabrikgelände von Conti. Auch der Boden ist unterschiedlich. In der Wasserstadt gab es große Verunreinigungen und deshalb hohe Anforderungen an das Bodenmanagement. Am Kronsberg haben wir mit sechs der größten Wohnungsgesellschaften eine Arbeitsgemeinschaft gegründet und gesagt: „Wir bauen dort.“ Wir haben dort kooperative Stadtentwicklung betrieben. Auf dem Conti-Gelände musste man eine Konversionsfläche erstmal städtebaulich entwickeln. Der Grundstücksbesitzer bei der Wasserstadt ist nicht wie am Kronsberg die Stadt, sondern die private Gesellschaft WLEG. Diese verkauft die Baufelder. Beide Wohngebiete haben beste Lagequalitäten, weil sie die Stadt und den Anschluss in die Innenstadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln – Wasserstadt hoffentlich auch mit Stadtbahn – vor der Haustür haben.

Nicht nur in der Wasserstadt ist zu beobachten, dass die Preise steigen. Auch andere Neubauprojekte werden immer teurer – der Bau an sich und die Wohnungen auch. Warum ist das so? Was ist der Grund für die Preistreiberei? 

Das hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen sind die Grundstücke teurer, weil die Aufbereitung des Bodens mit hohem Aufwand verbunden ist. Zudem ist Bauland derzeit knapp, was den Preis automatisch in die Höhe treibt. Auch das Bauen an sich ist teurer geworden, weil die technischen Anforderungen gestiegen sind und immer Ingenieurleistungen erforderlich werden, insbesondere in der Haustechnik. Es gibt immer mehr Auflagen, die Investoren beim Bau berücksichtigen müssen, zum Beispiel zur Energetik, Quoten bei Sozialwohnungen, Infrastrukturbeiträge für Kindergärten und ähnliches, Architektenwettbewerbe und, und, und. Das alles trägt dazu bei, dass die Preise für Wohnungen steigen und nicht sinken. Das Einzige, was hilft, ist bauen, bauen bauen. Deshalb ist die Wohnbauoffensive für Hannover so wichtig.

Zurück zum Wasserstadt-Projekt. Würden Sie selbst gerne dort wohnen wollen? 

Das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen, denn das werden tolle Wohnungen. Aber es ist immer schwierig, Leute aus ihren Stadtteilen wegzubewegen, in denen sie groß geworden sind. Deshalb werde ich in der Südstadt bleiben.

Interview: Julia Polley

Fotos: Clemens Heidrich (Titelbild), Wasserstadt Limmer Projektentwicklungsgesellschaft (2), Nils Oehlschläger, Christian Behrens

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