Gardemin gibt Seilbahn noch nicht auf

Bezirksrat stimmt gegen Idee, die Wasserstadt mit Gondeln ans Verkehrsnetz anzubinden. Aber der Erfinder sieht eine zweite Chance.

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SEPTEMBER 2016

In seiner jüngsten Sitzung hat der Bezirksrat Linden-Limmer gegen die Idee der Grünen gestimmt, die Wasserstadt mit Gondeln ans Verkehrsnetz anzubinden. Ideengeber Daniel Gardemin sieht aber noch eine Möglichkeit, den Vorschlag doch noch voran zu bringen – vorausgesetzt seine Partei schneidet bei der Kommunalwahl gut ab.


Der Beschluss ist gefallen: Der Bezirksrat Linden-Limmer will keine Seilbahn, die das Neubaugebiet Wasserstadt an den öffentlichen Nahverkehr anbindet. Sozial- und Christdemokraten haben jüngst mit den Linken in absolut ungewohnter Eintracht gegen den Vorschlag der Grünen votiert. Und? War es das nun mit der Idee, die Bewohner der Wasserstadt und alle anderen, die dorthin wollen, über Linden und Limmer schweben zu lassen? Man kann sicher sein, dass Ideengeber Daniel Gardemin so schnell nicht aufgibt.

„Neues Spiel, neues Glück“ – so kommentierte der Vorsitzende der Grünen-Bezirksratsfraktion, der zugleich Chef der hannoverschen Grünen ist, am Tag nach der Abstimmungsniederlage den Fortgang der Dinge. Gardemin, der sich als Ratskandidat hat aufstellen lassen, hat schon die Zeit nach der Kommunalwahl im Blick. Wird er in den Stadtrat gewählt, will er dort einen neuen Vorstoß in Sachen Seilbahn unternehmen.

Endpunkt Wasserstadt

Endpunkt Königsworther Platz

Zwischenstation Linden


Der notorische Radfahrer Gardemin hält die schwebenden Gondeln für die bestmögliche Variante, um die 3500 neuen Einwohner Limmers an den ÖPNV anzuschließen. Ihm schwebt dafür eine Strecke vom Königsworther Platz entlang der Leine vor. Billiger, schneller zu realisieren, umweltfreundlich und mit dem bestehenden Verkehrsnetz gut zu kombinieren sei die luftige Lösung, warb er im Bezirksrat für sein Projekt. Die Limmerstraße und die Wunstorfer Straße würden vom Verkehr entlastet. Und schließlich könnte – als angenehmer Nebeneffekt – auch der Tourismus von einer Seilbahn profitieren: „Der Blick auf die Herrenhäuser Gärten und unseren schönen Stadtbezirk lohnt sich.“

Das brachte ihm ebenso wie die weiteren Argumente aber keinerlei Pluspunkte bei den Mandatsträgern der anderen Parteien ein. „Es geht hier ja nicht um eine Olympia-Bewerbung“, unkte Linken-Fraktionschef Dirk Machentanz. Was Gardemin mit einer Retourkutsche beantwortete: „Wir brauchten auch keinen nutzlosen Antrag zum Weltkulturerbe“, sagte er in Anspielung auf einen Vorstoß der Linken aus dem vergangenen Jahr, Linden in die Unesco-Liste aufnehmen zu lassen.


„Neues Spiel, neues Glück.“


SPD-Mann Stefan Müller brachte die kulturpolitische Argumentationskurve auf die verkehrstechnische Ebene zurück. Für die Sozialdemokraten stehe fest, dass die Stadtbahn das Verkehrsmittel der Wahl auch für die Wasserstadt sei, stellte er klar. Man habe diesen Weg in der Planung bereits beschritten und werde auch nicht davon abweichen. Nur unter diesen Voraussetzungen könne später auch Ahlem-Nord an das Bahnnetz angeschlossen werden.

Das brachte Jörg Schimke auf die Palme. „Es gibt noch immer kein schlüssiges Verkehrskonzept für die Wasserstadt, das basiert alles auf dem Prinzip Glaube, Liebe, Hoffnung“, wetterte er. Der parteilose Einzelvertreter war neben den Grünen der Einzige, der für die Seilbahn votierte. CDU-Fraktionschefin Gabriele Steingrube war Gardemins Antrag zu sehr „Larifari“. Grundsätzlich seien neue Ideen aber gut, meinte sie. „Sonst würden wir ja heute immer noch mit der Pferdebahn unterwegs sein.“ Eine lebenspraktische Frage zur Seilbahn hatte Steingrube auch noch: „Was ist mit den Leuten mit Höhenangst?“

Am Ende aber war sich die Mehrheit einig, dass der so häufig als innovativ gepriesene Stadtbezirk keine innovative Idee wie eine Seilbahn braucht. Aber Weltkulturerbe soll er werden.

Von Juliane Kaune

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