Wird die Wasserstadt langweilig?

Stadt und Investor erlassen strenge Gestaltungsvorschriften - und die Anwohner wollen dabei mitreden

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NOVEMBER 2017

Die ersten Architektenentwürfe für das Neubaugebiet Wasserstadt Limmer sind zwar noch geheim, aber im Büro der Projektentwickler lässt sich an einem dreidimensionalen Modell schon begutachten, wie das Neubaugebiet irgendwann aussehen soll.

Aus fein gefrästen Holzblöcken schält sich der erste Bauabschnitt heraus. In Wahrheit sind auch viele Gestaltungsdetails längst festgelegt: Von der Gestaltung der Mülleimer und Sitzbänke bis zu den Baumtypen, die in den Wohnungsgärten zugelassen sind. Bei der kritischen Anwohner-Bürgerinitiative gibt es Sorge, dass das Areal zu eintönig wird – und Verärgerung, dass die Detailvorgaben ohne ihre Beteiligung ausgearbeitet wurden.

Die Details hat die Wasserstadt Limmer Projektentwicklungsgesellschaft (WLEG) gemeinsam mit der Stadt in einer nicht öffentlichen „Gebrauchsanweisung Wasserstadt Limmer“ festgelegt. Vorgaben für die öffentlichen und privaten Grünflächen und für die Architektur der Gebäude sind darin festgeschrieben. „Sie gilt als Richtlinie für die zukünftigen Bauherren und dient als verbindliche Vorgabe bei Architekten- und Gutachterverfahren“, heißt es darin.

Wer sich die rund 70 Seiten durchliest, bekommt eine Vorstellung von der Wasserstadt: Alle Gebäudefassaden werden rötliche oder rotbräunliche Klinker erhalten – nur die Gebäudeseiten zu den Innenhöfen dürfen verputzt werden. Als Straßenbäume werden Gleditschien und Schnurbäume festgeschrieben, auch drei verschiedene Typen von Straßenleuchten sowie runde Fahrradbügel und graue Mülleimer sind darin genau benannt. Statt mit Zäunen sollen die einzelnen Grundstücke mit Hecken begrenzt werden – nur zu Verkehrwegen hin sind auch niedrige Klinkermauern erlaubt.

Martin Pietsch, Geschäftsführer der Wasserstadt Limmer Projektentwicklungsgesellschaft, zeigt den Entwurf des ersten Bauabschnitts des neuen Wohnqartiers anhand eines Modells.

Die Bürgerinitiative Wasserstadt Limmer, die sich alle zwei Wochen trifft, um gemeinsam den Baufortschritt in ihrer direkten Nachbarschaft zu begleiten und zu diskutieren, sieht die Vorgaben kritisch: „Einer der großen Punkte bei der Bürgerbeteilung war für uns die Vielfalt im Baugebiet“, sagt Mitstreiterin Gudrun Herrmann-Glöde. Bei so engen Vorgaben sei diese aber nicht zu erkennen – es wirke alles wie „Einheitsbrei“. Selbst für die Innenhöfe seien die Baumarten vorgeschrieben. Ein Punkt, den die Gebrauchsanweisung ausspart, ist die Gestaltung des Uferparks: „Da sollte es eine Bürgerbeteiligung geben“, sagt BI-Chef Uwe Staade. Wann diese erfolge und wie eine Umsetzung und Finanzierung überhaupt aussehen könne, wenn große Teile des Uferbereichs doch dem Wasser- und Schifffahrtsamt gehören, wolle man nun in einem weiteren Gespräch mit der Stadt klären. „Die Frage ist ja, ob diese Gebrauchsanweisung auch für die weiteren Bauabschnitte gilt“, sagt Staade. Überhaupt fehle das Verständnis dafür, dass Stadt und WLEG die Gestaltungsrichtlinien nicht öffentlich gemacht haben.

Derzeit ist von Gestaltungsdetails noch wenig zu sehen. Rohre werden verlegt und Baustraßen angelegt: Es sind die Erschließungsarbeiten für den ersten Bauabschnitt. In zwei Wochen will die Projektgesellschaft gemeinsam mit der Stadt Ansichten und Investoren für die ersten Baufelder präsentieren, und „Anfang des Jahres wollen wir die ersten Bauanträge stellen“, sagt Geschäftsführer Martin Pietsch. Wenn das Verfahren sich nicht zu lang hinziehe, könne noch 2018 der Bau der ersten Häuser in der Wasserstadt starten.

Ab Frühjahr sollen Interessenten, die in die Wasserstadt ziehen wollen, nähere Informationen bekommen.

Schon jetzt klingele täglich das Telefon: Kauf- und Mietwillige ließen sich beim Team im Projektbüro registrieren. Noch aber ließe sich kaum Detailliertes sagen, bedauert Pietsch. Ab Frühjahr sollen Interessenten, die in die Wasserstadt ziehen wollen, nähere Informationen bekommen. Mit welchen Preisen Mieter und Käufer für eine Wohnung in der Wasserstadt rechnen müssen, steht laut Pietsch aber noch nicht fest. 20 Prozent des ersten Bauabschnitts sollen sozialem Wohnungsbau vorbehalten sein. „Aber natürlich werden wir auch hochpreisige Wohnungen gerade im Uferbereich dabeihaben“, sagt Pietsch. Es müsse schließlich wirtschaftlich sein, und das gehe nur über eine Mischkalkulation – die teuren Wohnungen subventionieren die günstigeren. An die Investoren verkaufe man die Grundstücke für Preise zwischen 400 und 800 Euro pro Quadratmeter.

Von Carina Bahl

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