Der Stadtteil kann profitieren

Professor Herwarth von Bittenfeld über den Einfluss der Wasserstadt auf das alte Limmer

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NOVEMBER 2016

Wie wird die Wasserstadt den alten Stadtteil Limmer verändern? Wenn es richtig gemacht würde nur zum Guten, sagt Carl Herwarth von Bittenfeld, Professor für Stadt- und Raumentwicklung an der Leibniz Universität Hannover.


Professor Herwarth von Bittenfeld, was passiert mit Limmer, wenn die Wasserstadt fertig ist?
Wenn das Projekt richtig angelegt ist, wird Limmer davon profitieren. Eine innere Stadterweiterung sollte eine „win-win“-Situation schaffen: Gewinne für den gewachsenen Stadtteil, aber auch Vorteile für die neue Wasserstadt Limmern mit der Anknüpfung an den historisch gewachsenen Stadtteil.

Kann Limmer durch die Wasserstadt  einen Gewinn ziehen?
Es sollten Wohnungen entstehen, für die es noch einen Bedarf gibt. Sonst provoziert man Abwanderungen, weil adäquate Wohnungen für veränderte Lebenslagen vielleicht fehlen. Da denke ich beispielsweise an barrierefreie Wohnungen, preiswerte kleine Wohnungen auch für Studierende und Alleinerziehende und dies in Verbindung mit Betreuungsangeboten. Wichtig ist, dass die vorhandenen wohnungsnahen Angebote gestärkt, wenn nicht gar erweitert werden.

Wird sich die Wasserstadt harmonisch in das alte Limmer einfügen können? Noch bilden die Wohnhäuser und die unbebaute Sandfläche einen starken Kontrast.

Welche Auswirkungen wird das Quartier auf den Charakter Limmers haben?
Ich glaube, der gewachsene Stadtteil wird von der Wasserstadt profitieren. Anwohner, die derzeit fürchten, dass der Charakter ihres Stadtteils verloren geht, zeigen vielleicht in 15 Jahren voller Stolz ihren Stadtteil und werden die Wasserstadt als Teil Limmers begreifen. Limmer ist ein starker Stadtteil mit eigenen Ausprägungen. Auch wenn das neue Areal eine eigene städtebauliche Figur haben wird, kann sich mit Limmer ein gemeinsamer Charakter herausbilden. Dies geschieht allerdings nur, wenn bei der Planung der Wasserstadt die Ortstypik, die Umgebung und deren Eigenschaften sowie die lokale Identität berücksichtigt werden. Der gründurchzogene Stadtteil, wie wir ihn kennen, wird bestehen bleiben und sogar durch neue Wasserzugänge und Uferpromenaden gestärkt.


„Bedenken und Befürchtungen von Anwohnern sollten ernst genommen werden.“


Gibt es vergleichbare Projekte?
Ja, eine ganze Menge. Da denke ich zum Beispiel an die Wasserstadt Oberhavel in Berlin. Dort wurden ehemalige Industrieareale in bester Wasserlage bebaut. Dadurch ist die Neustadt Spandaus aus der zweiten Reihe direkt an die Havel heran gerückt.

Wie waren bei diesen Projekten die Entwicklungen in den Ursprungsstadtteilen?
Ich würde nicht pauschal sagen, dass neue Projekte zu gravierenden Aufwertungen und damit verbundenen Verdrängungen in bestehenden Stadtteilen führen. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, so können die Kommunen sogenannte Erhaltungssatzungen als Milieuschutz erlassen. Nichts desto trotz sollten Bedenken und Befürchtungen von Anwohnern gegenüber der bisherigen Konzeption ernst genommen werden.

Interview: Julia Polley

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