Was passiert mit den Conti-Ruinen?

Eine Bürgerinitiative will die vom Abriss bedrohten Altbauten retten

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DEZEMBER 2017

Im kommenden Jahr werden die ersten Häuser der Wasserstadt Limmer errichtet – und die historischen Fabrikgebäude sind voraussichtlich dem Untergang geweiht.


„Die Häuser sind unbewohnbar“, sagt Bauunternehmer Günter Papenburg. Das hätten Gutachten ergeben. Zudem stellten sie eine Gefahr dar, immer wieder komme es vor, dass sich junge Leute in den Ruinen herumtrieben. Papenburg will die denkmalgeschützten Häuser abreißen lassen, doch die Stadt, die Grünen im Bezirksrat und die Bürgerinitiative Wasserstadt Limmer kämpfen für einen Erhalt.

„Wir sollten wenigstens Teile der alten Gebäude retten“, sagt Uwe Staade, Sprecher der Bürgerinitiative. Er habe Kontakt zu einem Experten, der ein mit Schadstoffen belastetes  Bauwerk in Bad Homburg erfolgreich saniert habe. „Wir haben der Stadt den Kontakt vermittelt.“ Klar sei auch, dass ein Erhalt nicht ohne Investitionen zu machen ist. Baudezernent Uwe Bodemann hofft, einen Abriss noch verhindern zu können: „Vielleicht kommt ein weiterer Gutachter zu dem Schluss, dass die Gebäude doch noch für Büros oder Wohnungen nutzbar sind.“ Druck machen die Grünen im Bezirksrat. „So geht man nicht mit historischen Hinterlassenschaften um“, sagt Fraktionschef Daniel Gardemin. Er schlägt vor, die alten Fabrikhallen als Parkhäuser zu nutzen.

Sollte am Ende nachgewiesen werden können, dass kein wirtschaftlicher Nutzen möglich ist, kann die Stadt einen Abriss nicht verbieten – trotz Denkmalschutz. Dennoch werden die Bauten eine zeitlang stehen bleiben, weil sie als Lärmschutzwand für die Neubauten dienen. Ansonsten könnte die Stadt den Bau der Häuser nicht genehmigen. Geplant ist mittelfristig, eine Lärmschutzwand entlang der Güterumgehungsbahn zu errichten. Dann werden die alten Conti-Fabrikbauten tatsächlich überflüssig. Einzige Ausnahme: Der markante Conti-Turm bleibt erhalten.


„So geht man nicht mit historischen Hinterlassenschaften um“


Die neuen Häuser der Wasserstadt haben zumindest einen Bezug zu den Altbauten – die Fassaden bestehen ebenfalls aus Klinker. Architekten haben jetzt erste Entwürfe für verschiedene Baufelder vorgelegt. Im Durchschnitt sind die Bauten vier Geschosse hoch, auch Häuser mit acht Etagen gibt es. Es dominieren kubische, nüchterne Formen. Durch Plätze und Grünanlagen wird das Quartier aufgelockert.

Mehrere Wohnungsbaufirmen wollen investieren. Zu den Firmen zählen die Meravis und die KSG. „Es wird eine Vielfalt von Mietwohnungen, Eigentumswohnungen, Reihenhäusern und geförderten Wohnungen geben“, sagt Martin Pietsch von der Wasserstadt GmbH, die das Bauvorhaben koordiniert. Auch eine Baugemeinschaft interessiere sich für die Wasserstadt.

„Die Entwürfe sind in Ordnung“, sagt Staade. Jedoch fehle die Vielfalt. Obwohl sie aus der Feder verschiedener Architekten stammen, ähnelten sie sich sehr. Das liege vermutlich an den strengen Vorgaben der Stadt. „Etwas Abwechslung wäre schön gewesen“, meint der Sprecher der Bürgerinitiative.

Von Andreas Schinkel

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