Stadt Hannover zahlt monatlich 45.000 Euro zur Sicherung der Wasserstadt

Im Konflikt um die Sicherheit in der Wasserstadt Limmer hat die Verwaltung alle Vorwürfe des Investors Günter Papenburg zurückgewiesen.

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November 2018

Vandalismus, Kleinkriminalität und schwere Unfälle: Zwischen der Stadt Hannover und dem Investor Günter Papenburg schwelt seit langem ein Konflikt um die Sicherheit auf dem Wasserstadt-Gelände. 

Jetzt wird er offen ausgetragen. Die Verwaltung hat am Freitag Papenburgs am Tag zuvor erhobene Vorwürfe zurückgewiesen, sie lasse ihn bei dem Projekt in Limmer im Stich. Baudezernent Uwe Bodemann kritisierte hingegen den Bauunternehmer scharf. Papenburg komme seiner Pflicht nicht nach und sichere seine die Baustelle nicht genug ab. „Es geht nicht um Paragrafen-Reiterei, sondern um die Gesundheit der Menschen“, sagte der Dezernent. In den vergangenen Jahren hatten regelmäßig Unbefugte die Continental-Altgebäude auf dem Wasserstadtgelände betreten. 2017 stürzte ein 26-jähriger Hobbyfotograf in einen vier Meter tiefen Schacht und zog sich dabei mehrere Brüche zu.

In den ehemaligen Conti-Gebäuden werden systematisch Platten vor die Fenster im Keller und im ersten Stock angebracht. Bist jetzt sind 218 Fenster geschafft, nächste Woche kommt der Rest. Quelle: Katrin Kutter

Die Polizei habe die Stadt, so Bodemann, wegen der mangelhaften Absicherung durch den Bauherren mehrfach aufgefordert, ihrer Bauaufsicht nachzukommen. Laut niedersächischer Bauordnung müsse die Stadt einschreiten, wenn Gefahr im Verzug sei und der Eigentümer nicht reagiere, sagt Stadtplaner Michael Heesch. Anordnungen und Zwangsgelder hätten bei Papenburg keine Wirkung gezeigt, erklärt Bodemann. Deswegen wurde die Stadt selbst aktiv und beauftragte im September einen Wachdienst, der 24 Stunden Menschen davon abhalten soll, die Gebäude zu betreten. Die Kosten belaufen sich auf über 45.000 Euro monatlich und werden vorerst von der Stadt getragen. Derweil wird das Geld vom Eigentümer im Wege einer Vollstreckung zurückgefordert.

„Wir wollen endlich Kräne sehen, Herr Papenburg!“

Den Aussagen der Stadt war Papenburgs Einladung zu einer Pressekonferenz am Montag vorausgegangen, auf der er seinem Ärger über die Stadt Luft machen will. Die zuständigen Ordnungsbehörden würden Vandalismus nicht verfolgen, heißt es in der Mitteilung. Die Polizei in Limmer habe auf Nachfrage der Stadt die Wirksamkeit des Wachdienstes allerdings bestätigt. Seitdem sei Ruhe eingekehrt, sagt Bodemann. Warum die Polizei nun an Papenburgs Pressekonferenz teilnimmt, will der Baudezernent nicht kommentieren. Auch die Polizei selbst äußert sich weiterhin nicht.

Das Angebot, selbst einen eigenen Wachdienst einzuschalten, habe Papenburg verneint, so Bodemann. Sein Vorschlag einer Kameraüberwachung als Alternative hat die Stadt indes abgelehnt. Der Investor will sich zur Diskussion bis zur Pressekonferenz am Montag weiterhin nicht äußern. Derweil hat die Verwaltung ein Unternehmen beauftragt, die Eingänge zu den Altgebäuden in der Wasserstadt mit Holz zu verschließen. Spätestens im Dezember sollen die Arbeiten fertig sein und der Wachdienst dann abgezogen werden. Die etwa 50.000 Euro teure Maßnahme solle Menschen davon abhalten, sich in Gefahr zu bringen, sagt Bodemann.

Die Stadt wehrt sich auch gegen Papenburgs Vorwurf, dass sich wegen fehlender städtischer Genehmigungen die Bauarbeiten an dem Großprojekt verzögern würden. Für sieben Baufelder im ersten Bauabschnitt seien bereits Anfang September Teilgenehmigungen erteilt worden, sagt Bodemann. Für weitere Abschnitte lägen noch gar keine Anträge vor. Sie bräuchten die Wohnungen in der Wasserstadt und hätten einiges dazu beigetragen. „Wir wollen endlich Kräne sehen, Herr Papenburg“, sagt Bodemann.

Von Sebastian Stein

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