Provokanter Protest für saubere Luft

Anwohnerinitiative aus Limmer fordert ein Verkehrskonzept gegen den Durchgangsverkehr – und geht mit markigen Sprüchen auf die Straße.

 

 

17

MAI 2018

Weniger Autos und bessere Luft – für diese Forderung sind Anwohner aus Limmer am Montag mit provokanten Bannern auf die Straße gegangen.

Zwischen Zimmermannstraße und Wunstorfer Straße hielten die Mitglieder einer neuen Anwohnerinitiative Transparente mit dem Slogan „Hier werden Menschenaffen dauerbegast“ in die Höhe. Eine Botschaft an die vorbeifahrenden Autos – und an die Politik.

„Wir sind auch wie die VW-Versuchsaffen Schadstoffen ausgesetzt, nur darüber empört sich keiner“, begründet Initiator Klaus Kokemoor die Wahl des Slogans. Die Initiative fordert ein Verkehrskonzept für Limmer und will Druck auf die Stadt machen. „Andere Gemeinden bekommen eine Umgehungsstraße, wir müssen mit einer Durchgangsstraße mitten durch unser Wohngebiet leben“, kritisiert Kokemoor.

Die Anwohnerinitiative demonstriert gegen die Verkehrsbelastung auf der Wunstorfer Straße. (Foto: Kutter)

Konkret fordern die Anwohner eine Umleitung des Durchgangsverkehrs von der Wunstorfer Straße etwa auf den Eichenbrink und die Carlo-Schmid-Allee. Nur Anlieger und Kunden umliegender Geschäfte sollen die Wunstorfer Straße nutzen dürfen. Ein weiteres Problem sieht die Initiative im Neubaugebiet Wasserstadt mit rund 3000 Bewohnern.„Die können nicht auch noch alle über die Wunstorfer Straße fahren“, sagt Kokemoor. Ein Verkehrskonzept sei dringend notwendig, bevor der erste Abschnitt des neuen Viertels bezogen werde. Auch eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei unerlässlich.

Die Stadt legt sich noch nicht fest. Es werde eine zusätzliche Buslinie für die Wasserstadt eingerichtet, heißt es in einer Drucksache. Allerdings sei nicht endgültig geklärt, ob eine wirtschaftliche Lösung für eine Stadtbahnverlängerung nach Ahlem-Nord gefunden werden könne. Die von der Initiative vehement geforderte Umwidmung der Wunstorfer Straße – zurzeit ist sie eine Bundesstraße – schließt die Verwaltung indes aus. Es gebe im Stadtgebiet keine Alternative für die B 441, heißt es in einem entsprechenden Beschluss von 2016. Der Eichenbrink sei durch die Tonnagebeschränkung der Brücke nicht für Schwertransporter geeignet.

„Wir wollen gemeinsam Lösungen finden.“

Ein Verkehrskonzept sei in Planung, sagt Stadtsprecherin Michaela Steigerwald. „Die in der Verkehrsuntersuchung und im Bebauungsplan Nummer 1535 genannten Maßnahmen befinden sich in der Planungsphase und werden im Zuge der Entwicklung des Baugebiets Wasserstadt Limmer-Ost sukzessive umgesetzt.“ Den Anwohnern reicht diese Auskunft nicht.

Kritik an der Aktion der Initiative übt der Verein Unternehmen Limmer. Den Durchgangsverkehr zu unterbinden würde den Geschäften schaden, heißt es in einer Mitteilung. „Wir wollen gemeinsam Lösungen finden“, meint Kokemoor.

Zur Unterstützung waren am Montag Mitglieder des Bündnisses HannovAir Connection gekommen. „Die Bürger in der Stadt akzeptieren diese Dauerbelastung nicht mehr“, sagt Arne Käthner. Er und seine Mitstreiter demonstrieren regelmäßig für reinere Stadtluft. Zuletzt sperrten sie bei einer Aktion Anfang Mai mit 70 Demonstranten das Leineufer.

Kokemoor und seine Initiative fordern nicht nur eine neue Verkehrslenkung. Sie setzen sich auch für mehr Radwege ein. „Hannover könnte Umwelthauptstadt werden“, sagt er. Die nächste öffentliche Aktion ist für den 28. Mai geplant.

 

Ein Slogan macht die Runde

Der Slogan „Hier werden Menschenaffen dauerbegast“ ist nicht neu. Schon im Februar wehrte sich Jürgen Hosang, Anwohner der Podbielskistraße, mit den gleichen Worten gegen dreckige Luft. Die Limmeraner Initiative fragte nach, ob sie den Spruch übernehmen könne. Die sehr provokanten Worte sehen Klaus Kokemoor und seine Mitstreiter als legitim an. „So wollen wir auf unsere Sache aufmerksam machen – dafür ist Provokation gedacht.“

 

Von Andrea Brack Peña (Text) und Katrin Kutter (Fotos)

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