Trägt dieser Boden acht Stockwerke?

Geotechniker analysieren derzeit mit Bohrern und einer Raupe das Erdreich unter den ersten Baugrundstücken

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MÄRZ 2018

Sand, Wasser und Matsch – Das Wasserstadtgelände trägt derzeit kaum einen erwachsenen Menschen, geschweige denn einen ganzen Stadtteil. Mit Bohrern und einer Raupe finden Spezialisten heraus, an welchen Stellen des Bodens möglicherweise nachgeholfen werden muss. Die unscheinbaren Arbeiten sind von zentraler Bedeutung für das Neubaugebiet.


Festes Schuhwerk sollte dieser Tage jeder tragen, der die Wasserstadt besucht. Doch der schlammige Sand und die kleinen Teiche die sich gebildet haben, sind nicht nur eine Herausforderung für das Schuhwerk. Wie soll diese riesige Sandgrube eigentlich einen ganzen Stadtteil tragen? Die Antwort daraus soll unter anderem eine kleine Raupe bringen, die seit einer Woche auf dem Gelände im Einsatz ist. Von außen unscheinbar, verbirgt sich in dem Kettenfahrzeug ein kleines Geotechnik-Labor.

„Normalerweise erledigen wir schnell unsere Bohrungen und sind wieder verschwunden“, sagt Torsten Söle. Der Geotechniker betreut die Baugrunderkundung auf dem Wasserstadtgelände für das Geo-Büro Witt und Partner. Hier ist es anders. Zwei Wochen untersuchen er und seine Kollegen im Auftrag der künftigen Bauherren den Boden im ersten Baugebiet. Mit der kompakten Raupe, die allein auf weiter Brache wie ein Mond-Fahrzeug wirkt, werden 70 Drucksondierungen durchgeführt. Eine mit elektronischen Sonden ausgestattete Bohrspitze misst bis zu 14 Meter tief die geologische Beschaffenheit des Bodens. Auf Monitoren im Inneren werden die Werte ausgelesen. Parallel werden durch verschiedene Bohrungen zusätzliche Messwerte erhoben und Bohrkerne zur weiteren Analyse entnommen. „Unser Bericht ist Bestandteil späterer Bauanträge und Grundlage für die weitere Planung“, erklärt Söhle. Mediales Interesse an seiner Arbeit ist er nicht gewohnt. „Wir sind eher die Unsichtbaren, die zum Einsatz kommen, bevor es etwas zu sehen gibt.“

Ralf Rauscher (links) und Amir Grudic erkunden für das Geotechnik-Büro Witt und Partner den Boden unter der Wasserstadt. Foto: Moers

Könnten die zutage kommenden Ergebnisse dem Projekt-Wasserstadt ein unvorhergesehenes Ende bereiten? Unwahrscheinlich, glaubt der Experte. In einer ersten Erkundungsphase wurde bereits 2014 die grundsätzliche Bebaubarkeit des Geländes bestätigt. „Was wir jetzt machen, ist baufeld-spezifisch“, so Söhle. Die mit neonfarbenem Spray markierten Bohrlöcher befinden sich alle exakt unter den ersten acht geplanten Baufeldern. Die Geotechniker müssen hier etwa den exakten Verlauf und die Tiefe der tragfähigen Schichten in großer Tiefe bestimmen. „Es ist nicht einfach so, dass alles auf einem Niveau tragfähig ist“, sagt Söhle. Erweist sich eine Stelle als ungeeignet muss möglicherweise der Boden ausgetauscht werden oder das Fundament wird mit Säulen oder Bohrpfählen im Erdreich verwurzelt. „Überraschungen die während dem Bau auftreten kosten viel Geld“, betont er die Wichtigkeit der unscheinbaren Arbeiten.

Amir Grudic zeigt die Bohrspitze. Foto: Moers


„Wir sind eher die Unsichtbaren, die zum Einsatz kommen, bevor es etwas zu sehen gibt.“


Und die Altlasten? Die entnommenen Bohrproben werden in einem weiteren Schritt von dem hannoverschen Ingenieurbüro Wessling auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht. Bis dahin zieht die 20-Tonnen schwere Raupe weiter von Bohrloch zu Bohrloch über die wohl feuchteste Sandwüste.

Von Mario Moers

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