Verkehr wird zum Kernthema der Bürgerinitiative

Bei der dritten Etappenparty zieht die Bürgerinitiative Wasserstadt eine gemischte Bilanz – und eine neue Initiative formiert sich

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MÄRZ 2018

Die Erschließungsarbeiten im ersten Bauabschnitt der Wasserstadt sind abgeschlossen. Doch wie wird der Verkehr in Limmer fließen, wenn die Bewohner eingezogen sind? Die Bürgerinitiative Wasserstadt will das Thema erneut auf die Tagesordnung der Politik bringen. Einige Mitglieder haben dafür sogar eine neue Initiative gegründet.


Es riecht nach mitgebrachtem Kartoffelsalat, alle Stühle sind voll besetzt. Wenn die Bürgerinitiative Wasserstadt (BIW) im kleinen Saal des Rudervereins Bilanz zieht, interessiert das auch vier Jahre nach der Gründung noch viele. Mehr als 70 Menschen sind gekommen. Einige lugen durch den Türrahmen, warten bis sich nach den Vorträgen der Saal etwas leert und das Büfett eröffnet wird – die Party beginnt.

„Wir wussten, wenn wir etwas erreichen wollen, wird es ein Langzeitprojekt“, sagt BIW-Sprecher Thomas Berus. Und weil so viel Durchhaltevermögen ohne etwas Spaß kaum durchzustehen ist, feiert man nun die bereits dritte Etappenparty. Ein vergnügliches Miteinander mit Nusskuchen und Nachbarn, das inzwischen zu einer beliebten Feier für die Stadtteilbewohner geworden ist. Auf der ernsten Seite kristallisiert sich derweil ein Thema zum künftigen Kernanliegen heraus – der Verkehr.

„Wir brauchen den Druck aus der Bevölkerung, damit das Stadtteilverkehrskonzept vorankommt“, setzt Berus ein klares Ziel für die kommende Etappe. Das sieht auch eine Seniorin so. „Es wird hier viel mehr Menschen geben als früher“, sagt sie – und befürchtet den Verkehrskollaps im Westen.

Eine neu gegründete Bürgerinitiative beschäftigt sich mit dem Verkehr auf der Wunstorfer Straße.

Der Altersdurchschnitt im ersten Teil des Abends ist vergleichsweise hoch. Vermutlich deutlich höher als das Durchschnittsalter der künftigen Wasserstadtbewohner. Es ist ein wenig das „alte Limmer“, das sich auf der Etappenparty trifft, nicht allein im Hinblick auf die Lebenszeit. „Der Wandel hier ist deutlich und überall spürbar“, berichtet ein Anwohner. Nachdem die Bebauung in den wesentlichen Zügen beschlossen wurde, fragen sich viele, ob sich nun der Verkehr nachhaltiger nach den Vorstellungen der Eingesessenen lenken lässt. Eine neue Bürgerinitiative will diese Planungen nicht allein der Stadt und den Bauplanern überlassen.


„Wir brauchen den Druck aus der Bevölkerung, damit das Verkehrskonzept vorankommt.“


„Hier werden Menschenaffen dauerbegast“, steht in unübersehbar fetten Lettern auf einem Banner im Foyer des Rudervereins. Klaus Kokemoor weiß, dass dieser Satz äußerst provokant ist. „Wir brauchen Provokation“, sagt der Mitgründer der neu gegründeten BI zur Verkehrsberuhigung in der Wunstorfer Straße. Während für die BIW das Thema Verkehr bislang eine von vielen Baustellen war, fokussiert sich die neue Gruppe nur darauf. Beide Initiativen stehen miteinander im Austausch, teilweise überschneiden sich die Beteiligungen. Was genau die neue BI vorhat, will Kokemoor noch nicht verraten. Klar ist: Man will das Thema Verkehrskonzept erneut auf den Plan bringen. Tatsächlich geht es damit nämlich weiterhin schleppend voran.

Wie ist der Stand? Stadtsprecherin Michaela Steigerwald hat darauf eine Antwort, die beide Initiativen kaum befriedigen dürfte: „Die in der Verkehrsuntersuchung und im Bebauungsplan Nummer 1535 genannten Maßnahmen befinden sich in der Planungsphase und werden im Zuge der Entwicklung des Baugebiets Wasserstadt Limmer Ost sukzessive umgesetzt.“ Viel zu tun bleibt also – auf der vierten Etappe und auf den noch folgenden.

Von Mario Moers

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